uopini criminals

Uopini ist ein kleiner Ort in der Kommune von Monteriggioni, zu Fuß etwa 50 Minuten vom Stadtzentrum von Siena entfernt. Um zu Fuß ins Zentrum zu kommen, muss man allerdings eine Schnellstraße ohne Gehwege entlanglaufen. Einmal pro Stunde fährt auch ein Bus. Warum das alles wichtig ist? Weil sich die Universitäten in Siena dachten, dass es sinnvoll wäre, hier ein Studentenwohnheim zu bauen.

Ich wohne also nicht wirklich in Siena. Das ist ein wenig blöd. Das Gute ist, dass ich nicht der einzige mit diesem Schicksal bin. Das Wohnheim besteht aus zwei eingegitterten Wohnblöcken, sodass man nicht umhin kommt, an ein Gefängnis zu denken. In dem einen Block sind italienische Studenten untergebracht, im anderen wir Erasmusstudenten. Zwischen den beiden Wohnblöcken gibt es einen Parkplatz. Um dem weiten Weg in die Innenstadt zu entgehen, entschieden wir uns an unserem ersten Wochenende, zum Feiern einfach im Wohnheim zu bleiben. Also verbrachten wir unseren Freitagabend mit Bier und einer Gitarre auf dem Parkplatz.

Am Montag wurde unser Sprachkurs vormittags von einer unserer Erasmus-Tutorinnen unterbrochen. Sie las die Namen aller Uopini-Bewohner in unserem Kurs vor, mit dem Hinweis, sie sollten sich in einen anderen Raum begeben. Ziemlich verwundert kamen wir der Aufforderung nach. Offensichtlich wurde das in allen Kursen so gemacht, sodass sich in dem Raum am Ende alle Bewohner unseres Wohnheims befanden. Dort wurde uns von einer Offiziellen der Wohnheimleitung verkündet, dass es am Freitag Beschwerden der Nachbarn des Wohnheims wegen Ruhestörung gegeben habe. Auch die Carabinieri sollen am Wohnheim gewesen sein und sich an der Rezeption über uns beschwert haben. Das Problem dabei ist, dass wir an dem Abend von alledem nichts mitbekommen hatten. Jedenfalls wies uns die Dame jetzt darauf hin, dass eine Anzeige gegen uns vorliege und es sich um eine sehr ernste Angelegenheit handele. Sollte dies nochmal vorkommen, würden sie all unsere Namen an die Carabinieri weitergeben und wir würden aus Italien abgeschoben. Nachdem diese Drohung bei uns zu allgemeiner Erheiterung führte, löste sie die Versammlung beleidigt auf, mit dem Hinweis “Macht nur so weiter, ihr werdet ja sehen, was passiert!”.

Bis jetzt sind wir noch alle in Italien…

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